Mercedes-Benz 230 SL - 250 SL - 280 SL Pagode

Kurzcheck bei der Besichtigung einer Pagode im Zustand 3
(Durchschnittlicher Kaufpreis nach Classic Data ca. 24.700.-- € bis 29.900.-- €)




Warum nur ein Kurzcheck ?

Viele Kaufinteressenten sind auf der Suche nach einer Pagode im Preisbereich um 30 tsd Euro.  Nach
Classic Data ist hier ein Fahrzeug in Zustand 3 zu erwarten. Eine am Idealzustand orientierte Kaufbera-
tung würde zu ständigen  ergebnislosen Besichtigungen führen, denn im Preis-  und Zustandsbereich 3
werden keine fehlerlosen Top-Fahrzeuge angeboten.


Kurzcheck:
(Quelle und Copyright: Koellner SL-Service)

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Karosserie-Eindruck:

Karosserie-Eindruck:

Die Flächen der Karosserie sollten im Licht klare Spiegelbilder ergeben, die allein von den Formen und Konturen der Karosserie geprägt sind. Insbesondere die hinteren Radläufe und das Heckblech sollten klare Konturen und saubere Kanten aufweisen. Spaltmaße von Hauben und Türen sollten gleichmäßig ausfallen, Türen und Hauben sauber und ohne Kraftanstrengung bündig schließen.  Im Frontbereich muss  die  Passform von Scheinwerferzierrahmen, Frontgrill und Motorhaube stimmen. Im Bereich der inneren Radhäuser sollten keine aufgeschweißten Blechflicken zu sehen sein. Unter dem vorderen Kotflügel befindet sich im oberen Bereich eine Verstärkungskonsole, die häufig nur noch aus Fragmenten besteht. Ein Blick auf den unteren Bereich des Heckabschluss-Blechs kann weiteren Aufschluss über den Karosseriezustand geben. Weitere Infos hierzu finden Sie bei pagode.info unter dem Link „Rostschäden“.

Reifen:

Die Originalgröße der Reifen heißt 185 R 14 (oder auch 185 HR 14). Breitreifen der Dimensionen 195 oder 205 können vom Tüv eingetragen werden, jedoch werden breitere Reifen mit den selten auftretenden Rissen in den vorderen Querlenkern in Verbindung gebracht. Daimler-Chrysler rät von dem Betrieb mit Breitreifen ab. Wie anhand der DOT-Zahl das Alter der Reifen zu ermitteln ist, finden Sie bei pagode.info unter dem Link „Reifen“.

Stoßstangen & Frontgrill:

Stoßstangen sollten gut "gebraucht" sein und symetrisch passen. Keine Beulen, keine Bohrlöcher, keine Durchrostungen von innen. Unter Aufklebern befindet sich nicht selten eine Bohrung oder ein Rostloch. Der Rahmen des Frontgrills sollte frei von größeren Dellen und Rissen sein. Sitzt der Stern noch fest im Frontgrill oder wurde er bereits geklebt ?

Spaltmaße:

Die Spaltmaße an Hauben und Türen sollten gleichmäßig verlaufen. Insbesondere das Spaltmaß der Motorhaube ist häufig - z.B. nach einem Austausch der vorderen Kotflügel oder nach einem behobenen Frontschaden - ein Problem.

Sicken:

Das Abschlussblech sollte dort, wo es im unteren Bereich seitlich an die Kotflügel stößt, nicht verspachtelt sein, sondern einen sichtbar verlaufenden Stoß aufweisen. Sehr gute Autos haben noch die ca. 1 cm lange Sicke, die im Bereich des Scheinwerferzierrings den werksmäßig verzinnten Übergang von Frontblech zum Kotflügel markiert.

Außenschweller:

Die seitlichen Außenschwellerabdeckungen waren werksseitig an die Karosserie angeschraubt. (Nicht angeschweißt, angenietet und auch nicht verspachtelt)

Lack:

Die Außenlackierung sollte gebraucht, aber intakt sein. Kleinere ausgebesserte Steinschlag- und Lackschäden sind bei Zustand 3 normal. Falls das Auto bereits neu lackiert wurde, sollten auf Gummidichtungen und Zierleisten keine Farbspuren zu sehen sein.

Farbe:

Geschmackssache. Bei Zustand-3 Pagoden kann man  weder Erstlack,  noch den Originalfarbton verlangen. Viele Pagoden sind ab Werk in Weiß-Tönen geliefert worden, was bei Neulackierungen häufig abgeändert wurde. Die Originalfarbnummer findet sich links im Motorraum auf einer Plakette (in Nähe der Wischwasch-Pumpe). Weitere Infos zu den Farbcodes finden Sie bei pagode.info unter dem Link „Lackierung“.

Sitze:

Die Sitze sollten original und frei von Rissen sein. Deutliche Gebrauchsspuren sind beim beim Zustand-3 Auto ebenso normal wie die typischen Ledernarben und der durchgesessene Fahrersitz. Bei neuen Bezügen sollte es sich um original perforiertes Leder handeln. Bei Autos mit sehr hoher KM-Leistung sind häufig die Sitzfedern gebrochen.

Armaturenbrettpolster:

Die Polsterungen am Armaturenbrett sollten gerade und auch in den Ecken sauber mit Leder (oder Kunstleder) bezogen sein.

Seitenscheiben:

Wenn man die Seitenscheiben bei geöffneter Tür nach innen und außen einige cm hin und her bewegen kann, müssen meist die Fenster-Führungsbacken erneuert werden. Kostet nicht die Welt, kann man selber machen. Ist aber mit Arbeit verbunden.

Verdeck:

Das Verdeck sollte aus originalen Mercedes-Benz Sonnenlandstoff bestehen und gut gebraucht sein. Das Gestell sollte sauber & leichtgängig schließen. Verdecke, die längere Zeit unbenutzt im Verdeckkasten lagen, lassen sich nur schwer schließen, weil der ungespannte Stoff allmählich schrumpft.

Hardtop:

Hardtopzierleisten sollten in ordentlichem Zustand sein. Gebrauchsspuren und Kratzer sind jedoch normal. Hardtops rosten gern an der Unterseite im Bereich der hinteren Ecken. Hier lohnt ein prüfender Blick unter das demontierte Hardtop.

Motornummer:

Original SL-Motoren haben die Motornummern 127.981 (230 SL), 129.982 (250 SL) und 130.983 (280 SL). Die Motornummer ist in Fahrtrichtung links hinten oben im Motorblock eingeschlagen.

Austauschmotor:

Ein Austauschmotor ist kein Problem, wenn er original ist. Da Austauschmotoren andere Nummern (z.B. 130. 980)  haben können, helfen hier nur Belege über dessen SL-spezifische höhere Leistung gegenüber den ähnlichen Limousinentriebwerken aus Heckflosse und W 108. Sehr häufig wurden falsche Motoren als „Austauschmotoren“ eingebaut. 220 SE Heckflossen-Motor (ebenfalls Baumuster M 127,  aber nur 120 PS) als Ersatz für den 230 SL. 280 SE Limousinen-Motor (ebenfalls Baumuster M 130) als Ersatz für den leistungsstärkeren 280 SL. Limousinenmotoren passen nur, wenn die Motorträger des SL verwendet wurden. Andernfalls steht der Motor höher im Motorraum und schlägt früher oder später eine Delle in die Motorhaube.

Zustand des Motors:

Der Zustand des Motors ist auf die Schnelle kaum zu ermitteln, denn die robusten Motoren laufen auch dann noch (scheinbar) tadellos, nachdem sie sämtliche Verschleißgrenzen überschritten haben. Ein Motor, der aus Alterschwäche kurz davor ist , mit einem  seiner Pleuel ein Loch in den Block zu schießen, kann trotzdem noch augenscheinlich gut laufen. Bei der richtigen Beurteilung des Motorzustands helfen nur Belege oder eine eingehende Untersuchung durch einen Fachmann. Bei Motoren, die im Laufe der vergangenen 40 Jahre noch nie generalüberholt wurden, ist in jedem Fall mit einer in nächster Zeit anstehenden Revision zu rechnen.

Getriebe:

Ausprobieren ! Ruppige Automatikgetriebe sind normal, bzw. Stand der damaligen Technik. Das Automatiköl sollte eine klare rote Farbe haben. Bei Automatikgetrieben, die noch nie überholt wurden, ist nach 40 Jahren auf jeden Fall mit einer zeitnah anstehenden Überholung zu rechnen. Schaltgetriebe sind robust und machen in der Regel keinerlei Probleme. Schwergängige, hakelige Schaltboxen resultieren häufig aus einem defekten Schalthebellager, hervorgerufen durch das unsachgemäße Aufschlagen eines neuen Schaltknopfes. Pagoden, die schon jahrelang mit einem defekten Schalthebellager gefahren wurden, können Schäden durch häufiges Verschalten Schäden am Getriebe davongetragen haben. Weitere Infos zu Getrieben finden Sie bei pagode.info unter dem Link „Getriebe“.

Hinterachse:

Bei stark verölten Hinterachsgetrieben unbedingt auf Geräusche achten. Jede tropfende Achse ist irgendwann mal leer. Heulen beim Gaswegnehmen ist Verschleiß. Manchmal hilft hier ein Zusatz (wie z.B. Slick 50) um diese Geräusche zu beseitigen. Langfristig ist eine Überholung aber unumgänglich.

Vorderachse:

Vorderachsen müssen in relativ kurzen Intervallen an allen Schmiernippeln regelmäßig gewartet werden. Eine Unterlassung zieht aufwändige Reparaturen an Achsschenkelbolzen und Querlenkern nach sich. Frische Fettkragen an den Schmiernippeln sind daher ein gutes Zeichen. Poltern der gesamten Vorderachse bei schlechter Straße deutet auf abgerissene Gummilagerungen der Vorderachse hin.

Durchrostungen:

Durchrostungen sollten bei einer Zustand-3 Pagode kein Thema sein. Hier hilft nur der Blick von unten. Durchgeführte Schweißarbeiten sollten qualitativ so ausgeführt sein, dass sie nahezu unsichtbar sind. Vorsicht ist geboten, wenn aufgeschweißte Blechflicken sichtbar sind. Falls doch Durchrostungen zu finden sind, handelt es sich nicht um ein Fahrzeug der Zustandskategorie 3.

Kilometerleistung:

Angaben über die Kilometerleistung machen nur Sinn, wenn sie entweder belegt oder nachher im Vertrag festgehalten werden. Absurd niedrige Km-Leistungen um 100 tkm sind grundsätzlich zu hinterfragen. Pagoden SL wurden in den 60er und 70er Jahren nicht als Raritäten geschont, sondern genauso benutzt, wie das bei aktuellen Mercedes SL der Fall ist. Bei Fahrzeugen mit extrem geringer Laufleistungsangabe sollte sich die geringe Benutzung des Fahrzeugs auch in einem sehr gut erhaltenen originalen Interieur widerspiegeln.

Übersetzungsverhältnis:

Alle Pagoden sind recht kurz übersetzt. Trotzdem gibt es auch hier feine Unterschiede zwischen "kurz" und "richtig kurz". Die Frage nach dem Hinterachsübersetzungsverhältnis lohnt in jedem Fall. Ein 280 SL mit superkurzem 4,08 Diffenzial macht im Sprint Spaß, ist aber für längere schnelle Autobahnfahrten eher ungeeignet. Eine Liste der verschiedenen Hinterachsübersetzungen finden Sie bei pagode.info unter dem Link „Übersetzungen“.

Was leicht übersehen wird:

Heizung, Lüftung, Gebläse, Umverteilung (oben-unten) sowie die 4 Bedienelemente im Armaturenbrett sollten nach Möglichkeit funktionieren. Reparaturen sind zwar in Eigenregie zu machen, können aber in aufwändige Fummelarbeit ausarten. Weitere Infos zur Heizung finden Sie bei pagode.info unter dem Link  „Heizung“.

Kleine Schwächen innen:

Blinkerschalter ausgeschlagen oder am Griff gebrochen, anschließend provisorisch repariert. Zitternde Tachonadel, defekter Wegstreckenzähler, defekte Zeituhr, defekter Dimmer für die Instrumentenbeleuchtung. Holzteile aufgequollen, krumm. Radio-Lautsprechermembran altersbedingt perforiert, Verkleidungen zerschnitten für Zusatzlautsprecher, Radioschacht  aufgeschnitten für modernes Radio. Wellige Polsterung am Armaturenbrett, krumme oder fehlende Sonnenblenden.  Verbeulte, zerkratzte Einstiegs-Chromleisten, ungeeignete hakelige Sicherheitsgurte, schiefe Sitzlehnen. Risse im Lenkrad, abgesägter Schalthebel.    

Kleine Schwächen außen:

Scheinwerferseitig neigen die Reflektoren zu Korrosion. Aus Kostenersparnis US-Lampen eingebaut, oft mit gebrochenem Plastikrahmen. Undichtigkeiten im Kofferraum durch defekte Dichtungen und Risse in den Rückleuchtengläsern. Rechte Rückleuchten sind  häufig ausdunkelt durch Auspuffgase. Der Chrom auf der A-Säule ist bei vielen Pagoden bis auf den Untergrund "weggeputzt" worden, was sich in mattem Finish äußert. Die Chromplatten auf den B-Säulen können Risse aufweisen. Frontscheiben neigen dazu, in den Ecken Feuchtigkeit zu ziehen. Der Verdeckstoff kann vom Einlegen an den Knickstellen durchgescheuert sein und (oder) „Eselsohren“ haben. Verdecke, die lange zurückgeklappt im Verdeckkasten lagen, können schwer schließen, weil der Stoff schrumpft. Gummis sind altersbedingt häufig porös. Chromstoßstangen krumm und von innen durchrostet. Grillstern an den Spitzen gebrochen und wieder eingeklebt. Verschiedene Schließungen am Wagen, für jedes Schloss ein anderer Schlüssel.  

Zeitgenössisches Zubehör:

Zusatzscheinwerfer, Nebelschlussleuchten, Radlaufchromleisten, Einbaulautsprecher und zusätzliche Antennen & Spiegel sollte man mögen, weil die spurenlose Entfernung solcher An- und Einbauten meist nur mit großem Aufwand möglich ist. Bei Holzlenkrädern und modernen Radios ist die Rückrüstung dagegen unproblematisch. Eine Liste der werksseitig lieferbaren Sonderausstattungen finden auf pagode.info unter dem Link „Sonderausstattungen“.

Nützliches Zubehör:

Kopfstützen, Windschott, Abdeckhülle für die Garage, el. Diebstahlschutz, optimiertes Bordwerkzeug. Unverzichtbar: Automatik-Sicherheitsgurte.

Weiteres Zubehör:

Quer zur Fahrtrichtung angeordneter Notsitz, Hardtopständer, Luftentfeuchter für die Garage.

Service-Historie:

Wichtiger als die Frage nach der Anzahl der Vorbesitzer ist das Wissen um die Servicehistorie einer Pagode. Wurden regelmäßige und außerplanmäßige Arbeiten von Fachwerkstätten ausgeführt ? Sind zu erneuernde wichtige Bauteile tatsächlich durch Neuteile ersetzt worden ?  Falls der Vorbesitzer die anfallenden Kosten möglichst gering halten wollte, kann die Fahrzeugqualität unter ständigen improvisierten Reparaturen und der regelmäßigen Verwendung gebrauchter Ersatzteile leiden. Der Investitions-Stau an einem typischen Bastlerfahrzeug lässt sich nachträglich nur mit hohem finanziellen Aufwand wieder einholen.               

Was man nie findet:

Im Preisbereich von Zustand 3 findet man in der Regel keine Pagoden mit den seltenen "Highlights" wie z. B.:  5-Gang-Getriebe, Schiebedach-Hardtop, lückenlosem Scheckheft oder makellosem Erstlack.  Wer trotzdem eins von diesen Glücksfällen bei einer Zustand 3 Pagode entdeckt, sollte den Wagen schon mal in die engere Wahl nehmen.

copyright 2001: Koellner SL-Service

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